9. Juli 2022: Zwangsarbeiter – verschleppt, ausgebeutet, „sonderbehandelt“

9. Juli 2022: Zwangsarbeiter – verschleppt, ausgebeutet, „sonderbehandelt“

Busfahrt zum Durchgangslager für Zwangsarbeiter*innen in Bietigheim-Bissingen

9. Juli 2022

Treffpunkt 14:30 Uhr Hotel Silber Foyer
Einführung: Harald Stingele

Busfahrt nach Bietigheim Bissingen

15:30 Uhr: Station 1: Layernstraße, Originalstandort Zentrales Durchgangslager (heute überbaut).
Sonja Eisele, stellv. Leiterin des Stadtarchivs Bietigheim-Bissingen

Bereits vor Errichtung des Dulag war dieses Areal der Industrie zugesprochen worden. Nach Abbruch des Lagers, wurde es komplett überbaut. Heute erinnert dort nichts mehr an das Lager.

16:00 Uhr: Station 2: Gedenkstätte Zentrales Durchgangslager ZOB/BHF, Führung.
Sonja Eisele, stellv. Leiterin des Stadtarchivs Bietigheim-Bissingen

Die Stadt Bietigheim-Bissingen richtete eine Gedenkstätte im Vorplatz des BHF und am ZOB ein, um das Durchgangslager prominent in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu setzen.

16:45 Uhr: Station 3: Ehem. Luftschutzstollen Gaishalde, 1944-45 von Zwangsarbeitern erbaut, Führung.
Norbert Prothmann, Forschungsgruppe Untertage e.V. und Mitglied im Arbeitskreis Zwangsarbeit

Die Städte Bietigheim und Bissingen bedienten sich 1944 freimütig im Dulag um Arbeitskräfte für den Bau von Luftschutzstollen zu rekrutieren. Als einziger von insgesamt 11 gebauten Stollen ist der Stollen in der ehemaligen Gaishalde noch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Abschluss, Gespräch: 17:30 h – 18:30 h Enz-Pavillon.

18:30 Uhr: Rückfahrt nach Stuttgart.

Veranstalter*innen: Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V., Stadtjugendring Stuttgarte.V , Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Kosten: 8€ (Schüler/Studenten 5€).

Wir bitten um Anmeldung bis zum 7. Juli unter:
veranstaltungen-hs@hdgbw.de

Am 17.12.1941 teilte der Präsident des Landesarbeitsamtes Südwestdeutschland dem Bietigheimer Bürgermeister Gotthilf Holzwarth mit, dass die Voraussetzungen für die Errichtung eines Durchgangslagers „in Bietigheim in günstiger Weise gegeben“ seien.

Das „entgegengebrachte Verständnis“ der Stadt Bietigheim „in den Verhandlungen über die Frage des Baugeländes“ wurde lobend erwähnt. Für das Durchgangslager stellte die Stadt ein unbebautes Gelände im Laiernwald zur Verfügung, auf dem 32 Baracken für 1.200 „Ausländer“ entstehen sollten. Geplant war eine Inbetriebnahme zum 15.03.1942.

In Durchgangslagern (Dulag) sollten alle Personen zentral initial untergebracht werden, die zwangsweise zum Arbeitseinsatz nach Deutschland deportiert wurden, außer Kriegsgefangenen, für die es eigene Lager gab. Die Dulag unterstanden den Landesarbeitsämtern.

Sie sollten als Umschlageinrichtung fungieren, in der die Deportierten erstaufgenommen wurden und entlaust werden konnten. Von hier aus sollten die Zwangsarbeiter auf ihre jeweiligen Einsatzstellen weiter verteilt werden. Das Dulag Bietigheim war das einzige im Zuständigkeitsbereich des Landesarbeitsamts Stuttgart und damit für Südwestdeutschland.

Das Lager wurde bis 1944 mehrfach erweitert und bestand zuletzt aus 50 Baracken. Nach Schätzung des ehemaligen Lagerleiters und auch des russischen Arztes im Lager wurden ca. 200.000 Personen durch das Dulag Bietigheim geschleust.