Von: Ernest Nussbaum
Datum: Sat, 13 Mar 2010
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An
Herrn Dr. Wolfgang Schuster
Sehr geehrter Herr Dr. Schuster,
Ich höre dass die Stadt Stuttgart (oder der jetzige Besitzer) vorhat das Hotel Silber an die Breuninger Gesellschaft zu verkaufen, und dass das Hotel dann abgerissen würde. Nun möchte ich auch zu denen gehören die hierzu protestieren. Ich meine auch, dass es besser wäre diesen Bau zu erhalten und als Mahnmal an die Nazizeit zu benützen.
Meine Eltern wanderten im April '39 mit meiner Schwester und mir von Stuttgart nach Amerika aus. Wir entkamen also noch kurz vor dem Krieg. Ich war zwar erst 11 damals, erinnere mich aber sehr gut an die Kristallnacht und ihre Folgen. Ich wurde aus dem Karlsgymnasium ausgewiesen (Rolf Thieringer, den Sie vielleicht kennen, war ein Klassenkamerad), und meine Schwester (Charlotte Isler, nee Nussbaum) aus der Charlottenrealschule. Sonst wiederfuhr ihr und mir persönlich nichts schlimmes. Aber als wir Stuttgart verliessen, hatten meine Eltern nichts mehr - die damalige Regierung nahm alles weg. Meine Grossmutter starb in Theresienstadt.
Es ist schön dass die Stolperstein-Initiative und Andere jetzt alles mögliche tun, die Erinnerung an damalige Vorkommnisse wach zu erhalten. Deshalb sollte das Hotel Silber auch weiter bestehen.
Hochachtungsvoll,
Ernest Nussbaum
Ernest Nussbaum
lebt in Bethesda/USA. Seine Schwester Charlotte Isler lebt in New York. Ernst Nussbaum war Klassenkamerad des früheren Stuttgarter Bürgermeisters Rolf Thieringer am Karlsgymnasium. Die beiden sind Enkel von Sigmunde Friedmann, die im August 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde, wo sie 1944 starb. An sie erinnert seit März 2008 in der Hohenstaufenstraße 17A ein Stolperstein. Mehr zu ihrer Geschichte und ihrem Schicksal können Sie erfahren auf der Website der Stolpersteininitiativen (Link: http://www.stolpersteine-stuttgart.de/index.php?docid=405).





