Das Ringen um das Hotel Silber geht weiter - Harald Stingele und seine Mitstreiter lassen nicht locker

Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom Donnerstag, den 04. November 2010, Seite 24

von Thomas Borgmann

Der Technikausschuss des Gemeinderats hat vergangene Woche entschieden: Für das Bauprojekt des Landes und des Hauses Breuninger am Karlsplatz muss der Baubürgermeister Matthias Hahn einen neuen Bebauungsplan entwerfen lassen - der Gemeinderat muss vor den Sommerferien 2011 darüber abstimmen. Und: das sogenannte Hotel Silber, die ehemalige Gestapo-Zentrale an der Dorotheenstraße, wird abgerissen. Damit allerdings will sich die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber nicht abfinden.

Harald  Stingele, der lange Jahre beim Jugendamt der Stadt tätig war und nun als Pensionär in Sachen jüngere Stadtgeschichte aktiv ist, sagt: „Wozu hat die Stadt im Juli ein gutes Expertenhearing zum Hotel Silber veranstaltet, wenn dessen Ergebnisse jetzt keine Rolle mehr spielen?" Die meisten der damals eingeladenen Fachleute hätten sich, so  Stingele, „klar dafür ausgesprochen, das Hotel Silber zu erhalten". Trotzdem deute alles darauf hin, dass mit dem neuen Bebauungsplan das Ende des historischen Gebäudes besiegelt sei.

Die Hauptkritik der Initiative, für die Harald  Stingele spricht, richtet sich unter anderem gegen die Ratsfraktion der Grünen: „Während die SPD einen erfreulichen Schwenk vollzogen hat und nun dafür plädiert, das Haus an der Dorotheenstraße nicht abzureißen, erscheint uns das Verhalten der Grünen widersprüchlich." Einerseits betonten sie immer wieder die Bedeutung von Stadtkultur und Bürgerbeteiligung, andererseits aber lehnten sie die Prüfung von Alternativen zum jetzigen Entwurf der Investoren ab und stimmten, mit nur wenigen Ausnahmen, dem Abriss des Gebäudes mehrheitlich zu.

Und noch etwas ärgert Harald  Stingele und seine Mitstreiter: „Wir akzeptieren auch nicht, dass nach der Entscheidung im Technikausschuss der neue Beirat für die Vermittlung der NS-Zeit in Stuttgart im November erstmals zusammentritt - aber in einem Kernpunkt, nämlich der Erhaltung des Hotels Silber, praktisch ein Denkverbot erhält." Der Abriss sei quasi beschlossen, also werde die Initiative „darauf achten, ob es sich bei diesem Beirat nur um eine Alibiveranstaltung handelt".

Noch freilich will die Initiative nicht alle Hoffung aufgeben: „Baubürgermeister Hahn hat im Technikausschuss erklärt, dass im Laufe des Verfahrens noch Änderungen am Bebauungsplan möglich und zu erwarten sind". Also wäre es doch denkbar, dass eben nicht alle Ministerien am Karlsplatz unterkommen müssten - und sich so der Abbruch des Hotels Silber eben doch noch vermeiden ließe.

 
Sie sind hier: Presse | Regionalpresse | StZ vom 4.11.2010
Deutsch
English
Français