Das Land Baden-Württemberg und der Breuninger Konzern planen das Hotel Silber, die frühere Gestapo-Leitstelle Württemberg- Hohenzollerns, im Zuge Ihres Bauvorhabens Da Vinci abzureissen.
Im Hotel Silber wurde nicht nur verhört, gefoltert und gemordet. Hier befand sich auch das Zentrum der Schreibtischtäter.
Von hier aus wurde die Überwachung und Bespitzelung der Bevölkerung koordiniert. Von hier aus wurden die Verfolgungsmaßnahmen gegen die Jüdinnen und Juden, die Sinti und Roma, Asoziale, Homosexuelle und andere Opfergruppen geplant und organisiert. Von hier aus wurden die Deportationen in die Vernichtungslager geplant. Von hier aus wurden Gestapogefängnisse und Konzentrationslager eingerichtet. Von hier aus wurde über Leben und Tod entschieden.
Nach dem Krieg kehrten Schreibtischtäter, nun als "Demokraten" der städtischen Polizei ins wenig beschädigte Hotel Silber zurück. Hier mussten Opfer des NS-Regimes die Kontinuität der Verfolgung erleben, wurden häufig mit ihren Peinigern der NS-Zeit konfrontiert.
Das Land ist Eigentümer des Hotels Silber. Die Stadt übt die Planungshoheit aus. Das neu gewählte Landesparlament und der Rat der Stadt entscheiden in den kommenden Wochen endgültig über den Erhalt oder Abriss des Hotels Silber. Wir, die UnterzeichnerInnen, fordern die Abgeordneten des Landesparlaments und des Stadtparlaments auf, sich für den vollständigen Erhalt des Hotels Silber zu entscheiden. Wir erwarten und fordern, dass die zukünftigen Regierungsparteien den vollständigen Erhalt in die Regierungsvereinbarung aufnehmen. Das darf keine finanzielle, es muss eine eine politische, kulturelle, historische Entscheidung sein.
Prof. Dr. Götz Adriani, Kunsthistoriker
Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Jan Assmann, Ägyptologe, Kulturwissenschaftler
Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann, Anglistin, Ägyptologin, Kulturwissenschaftlerin
Dr. Wieland Backes, Moderator
Prof. Dr. Dr. h.c. Egon Bahr, Bundesminister a.D.
Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Beck, Soziologe
Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Günter Blobel, Molekularbiologe, Medizin - Nobelpreisträger
Prof. Dr. Micha Brumlik, Antisemitismusforscher, Erziehungswissenschaftler
Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Paul Crutzen, Chemiker, Chemie - Nobelpreisträger
Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin, Bundesministerin a.D.
Wolfgang Dauner, Jazzpianist, Komponist
Gunter Demnig, Bildhauer, Stolpersteinkünstler
Hans Eichel, Ministerpräsident a. D., Bundesminister a.D.
Dr. Dr. h.c. Erhard Eppler, Bundesminister a.D.
Peter Fischer, Vorsitzender des DGB Südwürttemberg
Peter Fitz, Schauspieler
Prof. Dr. h.c. Jürgen Flimm, Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden
Dr. Dr. Michel Friedman, Jurist, Publizist, Journalist, Fernsehmoderator
Hans W. Geißendörfer, Regisseur und Produzent
Dr. Dr. h.c. Klaus Hänsch, Präsident des Europäischen Parlamentes a.D.
Klaus Harpprecht, Journalist
Prof. Dr.h.c. Peter Härtling, Schriftsteller
Prof. Dr. h.c.mult. Hans Werner Henze, Komponist, Praemium Imperiale - Träger
Dieter Hildebrandt, Kabarettist
Elfriede Jelinek, Schriftstellerin, Literatur-Nobelpreisträgerin
Dr. Werner Jung, Direktor des NS Dokumentationszentrums Köln
Roland Kaiser, Sänger
Prof. Dr. Volkhard Knigge, Dir. d. Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau - Dora
Dr. h.c. Hans Koschnick, Bremer Regierender Bürgermeister a. D.
Bernhard Löffler, Vorsitzender des DGB Nord-Württemberg
Volker Lösch, Regisseur
Prof. Dr. Adolf Muschg, Präsident der Akademie der Künste (2003-2005), Berlin
Prof. Dr. Andreas Nachama, Direktor der Topographie des Terrors in Berlin
Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Philosoph, Staatsminister a.D.
Prof. Roland Ostertag, Architekt, Präsident der Bundesarchitektenkammer a.D.
Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Frei Otto, Architekt, Praemium Imperiale - Träger
Reinhold Robbe, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Wehrbeauftragter desBundestages (1995 - 2000)
Romani Rose, Präsident des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma
Otto Sander, Schauspieler
Dr. Henning Scherf, Bremer Regierender Bürgermeister a.D.
Dr. h.c. Martin Schulz, Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europarlament
Walter Sittler, Schauspieler
Michael Sommer, Bundesvorsitzender des DGB
Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Werner Spies, Kunsthistoriker
Prof. Dr. Klaus Staeck, Künstler
Johano Strasser, Präsident des PEN Zentrums Deutschland
Prof. Margarethe von Trotta, Regisseurin und Drehbuchautorin
Andres Veiel, Regisseur, Europäischer - Filmpreisträger
Dr. Henning Voscherau, Hamburger Regierender Bürgermeister a.D.
Dr. h.c. Klaus Wagenbach, Verleger
Hasko Weber, Intendant des Schauspiels der Staatstheater Stuttgart
Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst von Weizsäcker, Ex-MdB Stuttgart
Klaus Wiesehügel, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt
Dr. Roger Willemsen, Schriftsteller und Fernsehmoderator
Bernhard Witthaut, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei
Dr. Irmtrud Wojak, Direktorin des NS Dokumentationszentrums München
Hanns Zischler, Schauspieler
Grundlagenpapier der „Gruppe der 50“
In den kommenden Wochen wird endgültig über den vollständigen Erhalt des Hotels Silber – der früheren Gestapozentrale Württemberg - entschieden. Folgende Entscheidungsgremien werden über das zentrale Mahnmal der NS-Gewaltherrschaft und der brutalen Restauration befinden:
1. Die Regierungsparteien
Die GRÜNEN und die SPD werden im Koalitionsvertrag festlegen, ob das Mahnmal Hotel Silber vollständig, uneingeschränkt und verbindlich erhalten bleibt.
2. Der neugewählte Landtag
Die Landtagsabgeordneten werden über den vollständigen Erhalt des Mahnmales abstimmen.
3. Das Stadtparlament
Insbesondere die Sozialdemokraten im Stadtparlament werden sich entscheiden müssen, ob sie weiterhin der Fortsetzung des Bebauungsplanes „da Vinci“ zustimmen, obwohl bislang der Erhalt des Mahnmales Hotel Silber nicht festgeschrieben worden ist. Die GRÜNEN Stadtratsfraktion wiederum wird sich entscheiden, ob sie der Forderung der Parteibasis nach vollständigen Erhalt des Mahnmales folgt oder für den Teilabriss kämpft, dass heißt für den Erhalt der von den Alliierten Bombardements nicht zerstörte Bürohälfte. Der Teilabriss stellt jedenfalls den Zustand von 1945 dar. Das Hotel Silber, der Ort der NS Verbrechen, wird dadurch zwangsläufig zum Mahnmal des Bombenkrieges stilisiert. Die brutale Nachkriegsrestauration wird gleichsam aus den öffentlichen Raum mit entfernt.
Die Gruppe der 50, die aus Nobelpreisträger, Praemium Imperiale Träger, frühere Regierungschefs und Bundesminister sowie herausragende Vertreter aus Wissenschaft, Kultur, Gewerkschaften, Publizistik und Politik besteht, hat sich deshalb in einer gemeinsamen Erklärung per Zeitungsanzeige nun diesmal an die Entscheidungsträger gewandt und Ihre Forderung für den vollständigen Erhalt des Mahnmales ausdrücklich unterstrichen.





