Rede von Boris Burgstaller

Die Rede von Boris Burgstaller im Anschluss an die Verlesung des Briefes von Richard Pick:

Im Februar diesen Jahres hatten wir im Schauspielhaus eine Lesung unter dem Titel „Tatort Dorotheenstraße Hotel Silber“. Daraus war dieser Brief. Wir haben in dieser Veranstaltung gelesen aus Briefen und Erinnerungen von Zeitzeugen. Einer von ihnen war Henry Kandler, dessen Erinnerungsbuch dort vorgestellt wurde.

Ich möchte noch kurz etwas über meine Person sagen: Ich bin hier in Stuttgart Schauspieler, mein Name ist Boris Burgstaller. Aber ich spiele hier nicht nur Theater in Stuttgart sondern bin hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und habe den ganzen Wiederaufbau miterlebt. Ich erinnere mich noch als Kind, es waren nur noch Bauzäune rechts und links.

Ich war dann später an verschiedenen Theatern tätig.

Als ich wieder zurück kam habe ich gemerkt, dass ich doch ein sehr gespaltenes Verhältnis zu meiner Heimatstadt habe. Das liegt aber nicht an Stuttgart, denn Stuttgart ist ja eigentlich eine sehr schöne Stadt. Es liegt vielmehr daran, wie die Verantwortlichen mit ihrer Geschichte umgehen.

Erkläre mir etwas

und ich vergesse

Zeige mir etwas

und ich behalte

Lass es mich tun

und ich verstehe

Ich glaube diese Worte von Konfuzius machen deutlich, worauf es ankommt.

Es ist mir ein Bedürfnis, ein Anliegen, dass das Hotel Silber nicht abgerissen wird, sondern dass dieses Gebäude als ausgesparter Ort, als ein Ort der herausgenommen ist aus jeglicher kommerzieller Überlegung, ein Ort wird wo Kultur entstehen kann. Eine Kultur des Lernens, eine Kultur der Begegnung, des Verstehens und Forschens. Eben als ein NS-Dokumentationszentrum für Württemberg.

 
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