"lch appelliere eindringlich an Stadt, Land, Eigentümer des Gebäudes und die Bürgerinitiative, alles zu tun, um das Hotel Silber als authentischen Ort für die Dokumentation des NS-Terrors einzurichten."
Prof. Dr. Andreas Nachama, Leiter der Topographie des Terrors, Berlin
"Man kann aus Geschichte lernen" - Andreas Nachama im Literaturhaus

"Woran erinnern wir uns? Woran erinnern sich Kollektive? Woran erinnern sich Staaten? Und wie erinnern wir uns?" Diese Fragen stellte Andreas Nachama zu Beginn seines Vortrags.
Nachama sprach über die Formen der Erinnerung. Der Kern einer Erinnerung sei in der ersten Generation. Aber: "Geschichte ist mehr als das was unsere Väter oder die Großelterngeneration erlebt haben."
Weiter sprach Andreas Nachama über Fälschungen in der Geschichtsschreibung: "Wie viele gefälschte Urkunden hat es gegeben? Und auch heute: wie viele gefälschte Gegebenheiten gibt es die Anlass für Kriege, für Überfälle sind?" Genannt wurde hier unter anderem der am 1. September 1939 vom SD inszenierte Überfall auf den Sender Gleiwitz, der als Anlass für den Überfall auf Polen diente und den Beginn des Zweiten Weltkriegs markiert.
Als sehr wichtig bezeichnete Nachama die Identifizierung der Bürger mit ihrer Stadt, insbesondere nach dem Krieg, durch die wenigen historischen Bauten. Doch auch diese fielen damals oftmals einer Fassadenbereinigung zum Opfer, die als Modernisierung empfunden wurde und die Gebäude in eine neue Zeit bringen sollte. "Stattdessen sah dann alles uniform aus und die Menschen konnten sich danach nicht mehr orientieren, fanden keine historischen Angriffspunkte mehr."
Ein Bericht über den Abend mit Andreas Nachama findet sich im Online-Artikel "Geschichtsunterricht am authentischen Ort" von Dietrich Heißenbüttel bei der Stuttgarter Zeitung.
Im Anschluss an diesen Vortrag erinnerte Roland Ostertag daran, dass Stuttgart die letzte Großstadt in Deutschland ist, in der die Einrichtung eines Dokumentationszentrums noch immer nicht geschehen sei. Er dankte Andreas Nachama dafür, dass er unsere Initiative schon immer unterstützt und beispielsweise das Vorwort des Buches "Tatort Dorotheenstraße" geschrieben habe.
In der folgenden Gesprächsrunde mit dem Publikum gingen die Fragen beispielsweise darum, wie es in Berlin für die "Topographie des Terrors" gelang, ein sehr großes Grundstück für dieses Dokumentationszentrum zu bekommen während es in Stuttgart um ein im Vergleich wesentlich kleineres Grundstück ginge. Hier verwies Andreas Nachama darauf, dass im Gegensatz zur vorherigen Zeit nach der Wende auf einmal großes Interesse an diesem Grundstück bestand um darauf das neue Bundeskanzleramt zu bauen. Es wurde damals als genügend angesehen, dort eine Gedenktafel anzubringen. Doch war zum Beispiel Eberhard Diepgen von der Notwendigkeit des Dreiklangs überzeugt: die Wannseevilla als den Ort an dem der Judenmord koordiniert wurde, die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und die Topographie des Terrors in der Prinz-Albrecht-Straße als das "Zentrum des Bösen" zu dokumentieren. "Die Leute wollen wissen: wo war die Hauptstadt des Dritten Reichs? Das kann man nicht unter den Straßenabfall kehren." Es gab eine große Koalition von nahezu allen damals vertretenen Parteien im Hinblick darauf dass es nicht sein kann, dass es in Berlin zu diesem Thema im Zentrum keine Dokumentation gibt.
Eine weitere Frage drehte sich um die Stiftung der "Topographie des Terrors" und inwieweit die Bürgerinitiative, die dieses Thema auch in Berlin einst angestoßen hatte, heute daran beteiligt sei. Diese, so Andreas Nachama, sei in allen Gremien der Stiftung aktiv eingebunden.





