Łódź — Stimmen aus dem Ghetto
Eine Annäherung mit Jugendlichen an die Geschichte des Ghetto Łódź/Litzmannstadt
21. Oktober 2026 – 19:00 – 20:30
Präsentation im
Erinnerungsort Hotel Silber
Dorotheenstraße 10, 70173 Stuttgart
Eintritt frei, Spenden willkommen.
Veranstalterin: Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, Projekt StolperKunst, Citizen.Kane.Kollektiv
Von 1940 bis 1944 bestand im polnischen Łódź – heute Partnerstadt Stuttgarts – eines der größten jüdischen Ghettos Europas. Zehntausende Menschen waren dort eingesperrt, die meisten wurden in Vernichtungslager deportiert. Nur wenige überlebten.
Wie klingt Geschichte, wenn junge Menschen selbst zu Wort kommen?
Im Projekt „Stimmen aus dem Ghetto“ haben sich Schüler*innen der Kaufmännischen Schule 1 in Stuttgart intensiv mit der Geschichte des jüdischen Ghettos Łódź/Litzmannstadt auseinandergesetzt.
Ausgangspunkt des Projekts ist die szenische Lesung „Ghetto Łódź – eine (fast)vergessene Geschichte des Terrors“ des Citizen.KANE.Kollektivs. Grundlage sind einzigartige historische Quellen: die heimlich vergrabene Chronik des Ghettos und Tagebücher seiner Bewohner*innen. Sie erzählen vom Alltag unter unmenschlichen Bedingungen, von Hunger und Verfolgung, aber auch von Widerstand, Hoffnung und dem Versuch, das eigene Leben zu bewahren.
Gemeinsam mit dem Citizen.KANE.Kollektiv haben die Jugendlichen diese historischen Stimmen neu entdeckt. Im Rahmen ihres Schüleraustauschs mit Łódź, der heutigen Partnerstadt Stuttgarts, besuchten sie die Orte des ehemaligen Ghettos. Sie setzten sich mit der Geschichte vor Ort auseinander, machten eigene Audioaufnahmen und hielten ihre Eindrücke und Gedanken fest. Aus historischen Texten und den persönlichen Stimmen der Jugendlichen ist ein Hörstück entstanden. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich darin unmittelbar: Die Worte von Menschen aus dem Ghetto treffen auf die Perspektiven einer jungen Generation, die sich heute mit diesem Teil der deutsch-polnischen Geschichte auseinandersetzt. „Schatten, die einmal Menschen waren, bewegen sich durch die Straßen des Ghettos.”1 (*Józef Zelkowicz, Journalist und Schriftsteller, 1942 )
„Ich war erstaunt, wie viel man von damals heute noch wiedererkennt.“ Eine Straße sah sogar fast genauso aus wie auf den alten Fotos.” (Denis, Schüler, 2026)
Bei der Veranstaltung im Erinnerungsort Hotel Silber wird das Hörstück erstmals öffentlich präsentiert. In einer gemeinsamen Listening Session wird das Publikum eingeladen, den Stimmen aus Łódź und den Stimmen der Jugendlichen zuzuhören.
Im Anschluss sprechen die beteiligten Schüler*innen der Kaufmännischen Schule 1 über ihre Reise nach Łódź und ihre Begegnungen mit der Geschichte. Auch die Fragen, die sie dabei beschäftigt haben, bekommen Raum: Was bedeutet es, an einem historischen Ort zu stehen, von dem man zuvor nur gelesen hat? Was können wir aus den persönlichen Zeugnissen der Menschen lernen, die dort gelebt haben? Und was bedeutet Erinnern für eine junge Generation heute?
Literatur:*Zelkowicz, Józef. In diesen albtraumhaften Tagen. Tagebuchaufzeichnungen aus dem Getto Lodz/Litzmannstadt, September 1942. Herausgegeben von Angela Genger, Andrea Löw und Sascha Feuchert. Übersetzt von Susan Hiep. Göttingen: Wallstein Verlag, 2015


