Fällt aus!  17. November: Kultur als Instrument des Rechtspopulismus

Fällt aus! 17. November: Kultur als Instrument des Rechtspopulismus

 

Foto: Beobachternews

 

Der Vortrag muss wegen der verunsichernden Corona-Alarmstufe leider verschoben werden.
Wir hoffen Hans Christ im nächsten Jahr erneut einladen zu können.

Hans D. Christ, Kurator und Co-Direktor des Württembergischen Kunstvereins,
spricht über rechte Kulturpolitik – Aneignungsstrategien in Kunst und Kultur

Fünfter Vortrag in der Reihe “Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in der sogenannten Mitte der Gesellschaft: ein Nahblick”

Mittwoch 17. November 2021 19 Uhr
Hotel Silber (Foyer)
Moderation: Regine Bürkle-Kuhn

Um Anmeldung per Email wird gebeten: anmeldung@hotel-silber.de

Benedikt Anderson hält in „Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts“ fest, dass „der objektiven Neuheit von Nationen aus dem Blickwinkel des Historikers das subjektive Alter in den Augen der Nationalisten gegenübersteht“. Eine geschichtliche Fiktion entsteht, die in Vorstellungen „eines Volks“, „einer Kultur“, „einer Religion“, „einer Sprache“ etc. homogenisiert wird, sich aus diesen unbestimmten Fetzen eine 1000jährigen Kulturnation zusammenschustert und die Hegemonie einer Leitkultur behauptet.

In „Nationen und Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780“ gibt Eric J. Hobsbawm noch einen ergänzenden Hinweis: „Wie wir überdies noch sehen werden, sind die Kriterien […] – Sprache, ethnische Zugehörigkeit usw. – ihrerseits so verschwommen, wandelbar und mehrdeutig und als Anhaltspunkte zur Orientierung ebenso nutzlos wie Wolkenformationen zur Orientierung von Reisenden im Vergleich zu Wegzeichen. Das macht sie natürlich außerordentlich brauchbar für propagandistische und programmatische Zwecke – im Unterschied zu deskriptiven.“

Wenn man die Frage nach der Verankerung der AFD in der Mitte unserer Gesellschaft stellt, muss man sich den ungebrochenen Narrativen eben dieses Konstrukts von Nationalismen stellen, die tief in den Mustern von identitätsstiftenden Verallgemeinerungen eingelagert sind. Und es muss nicht verwundern, dass, wie schon bei der Gleichschaltung der Kultur- und Kunstinstitutionen 1934, die Kultur ein erstes Ziel des Rechtspopulismus ist.

Der Vortrag wird aus dieser Perspektive historische Kontinuitäten betrachten und mit der aktuellen Ingebrauchnahme von Kultur durch rechtspopulistische Bewegungen verbinden.

Veranstalterin: Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber