Campo della Pace Sant'Anna di Stazzema

Campo della Pace Sant’Anna di Stazzema

Porträt der Zeitzeugin Siria Pardini

Fotoarbeit von Lennart Kühl, Teilnehmer des Friedenscamps 2022.

Projektion im Foyer des Hotel Silber bis 4. Dezember

Siria Pardini war acht Jahre alt und mit ihrem Vater und drei Geschwistern außerhalb des Dorfes Sant‘Anna di Stazzema in den Hängen der apuanischen Alpen bei der Feldarbeit, als die 16. SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS” am 12. August 1944 das Dorf überfiel und 560 Menschen, die meisten Frauen, alte Menschen und Kinder, ermordeten.
Sirias Mutter, ihre 16-jährige Schwester Maria und ihre erst 20 Tage alte Schwester Anna wurden erschossen, drei Schwestern überlebten verletzt.

Siria hat, wie die meisten Überlebenden, jahrzehntelang geschwiegen. Im Rahmen eines dokumentarischen Workshops des Campo della Pace 2022 hat der Teilnehmende Lennart Kühl (21) Siria Pardini mit der Kamera begleitet, um sie in ihrem aktiven Alltag festzuhalten.
Noch heute reinigt die fast 87-jährige wöchentlich den Dom in Pietrasanta und jeden Samstag fährt sie mit dem Bus nach Sant’Anna, um die Kirche und den Friedhof mit Blumen zu schmücken. Einige Aufnahmen entstanden im ehemaligen Wohnhaus der Familie Pardini in Sant‘Anna di Stazzema, an der Stelle, wo am Tag des Massakers ihre tote Mutter aufgebahrt wurde.

Zum Hintergrund: 10 Befehlshaber und Ausführende des Massakers von Sant’Anna di Stazzema wurden in einem Prozess in Italien am 22. Juni 2005 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt, mussten aber die Haftstrafe nie antreten: In Deutschland dauerten Ermittlungen gegen die Täter bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft so lange, bis alle Angeklagten entweder verstorben oder nicht mehr prozessfähig waren. Das Verfahren wurde dort im Jahr 2012 eingestellt. Für die Überlebenden und ihre Angehörigen war dies das Ende der Hoffnung auf eine rechtmäßige Verurteilung der Täter.
Im Zusammenhang mit einer Solidaritätsaktion der „Initiative Sant’Anna“ der AnStifter aus Stuttgart mit den Angehörigen der Opfer entstanden Kontakte und Freundschaften mit der „Associazione Martiri Sant’Anna di Stazzema 12 Agosto 1944“ dem Zusammenschluss der Überlebenden des Massakers von Sant‘Anna und ihrer Angehörigen.

Seit 2017 findet in Kooperation des Vereins Die AnStifter mit der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber und der Naturfreundejugend Württemberg jährlich ein zweiteiliges Friedenscamp für deutsche und italienische Jugendliche in Sant‘Anna und Stuttgart statt. Es wird gefördert aus Mitteln des Bundes (Auswärtiges Amt) und des Landes Baden-Württemberg (Kultusministerium und Landeszentrale für politische Bildung BW).

Blog des Projekts: www.santanna-together.eu

Lennart Kühl, 21 Jahre, Fotograf und Student in Leipzig, nahm im Sommer 2022 am deutsch-italienischen Campo della Pace in Sant‘Anna di Stazzema teil. Im Rahmen eines dokumentarischen Workshops begleitete er die heute 86-jährige Zeitzeugin Siria Pardini mehrere Tage lang mit der Kamera.