Ein Ausflug in die „Manosphere“
Vortrag und Gespräch mit Veronika Kracher
8. Juli 2026
Erinnerungsort Hotel Silber
Moderation: Celine Klotz, Freie Referentin für politische Bildung
Veranstalterinnen: Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber und Haus der Geschichte , Baden-Württemberg, Stadtjugendring Stuttgart
Immer mehr Jungen und Männer bekennen sich offen zum Antifeminismus, und der rechte Rand nutzt gezielt gekränkte Männlichkeit und den Hass auf Feminismus und queere Sichtbarkeit, um neue Rekruten für sich zu begeistern. Ort der Radikalisierung ist inzwischen in der Regel das Internet, wo gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht nur politische Agenda, sondern oft auch ein lukratives Geschäft ist. In ihrem Vortrag klärte Veronika Kracher systematisch über Geschichte, Funktionsweisen und Ideologie des digitalen Antifeminismus auf – und erläuterte, wieso dieser regelmäßig als Einstieg in den Rechtsextremismus fungiert.
Diese Entwicklung ist für Frauen und Mädchen gefährlich, weil sie in den einschlägigen Kreisen erst zu Objekten eklärt und dann „als Hilfsmittel zur Manifestation der Männlichkeit“ missbraucht werden sollen. So werden sie zur Zielscheibe des Frauenhasses all derer, die es nicht in die behauptete Kategorie der Alpha Males schaffen. Gewaltanschläge auf Frauen, die als Feministinnen auftreten, sind die Folge.
Junge Männer, die in den Sog dieser Foren und in die Echokammern der „Manoshere“ geraten, werden geschädigt, denn diese Einstellung verhindert jede echte menschliche Beziehung zum anderen Geschlecht schon im Ansatz.
Im Übrigen ist die Nähe der in unterschiedliche Klassen gestaffelten Hierarchie des „Männlichkeitsideals“ zum faschistischen und nationalsozialistischen rassistischen Körper- und Männlichkeitskult unübersehbar und die Manosphäre bezieht sich teils explizit darauf.
Veronika Kracher zeigte in ihrem Vortrag, in welchen Vorstufen und gesellschaftlichen „Normalisierungen“ diese Extreme sich heute schon in den Medien breit machen.
Das Thema wird im zweiten Teil unseres von der LpB Gedenkstättenförderung bezuschussten Projekts „Geschlechterbilder und Rechte Gewalt“ im Rahmen eines Workshops für Schüler:innen vertieft werden.
Veronika Kracher (* 1990 in München) ist Autorin, Publizistin und Journalistin. Sie beschäftigt seit 2015 intensiv mit digitaler Misogynie, Antifeminismus, Radikalisierung im Netz und Rechtsextremismus. 2020 veröffentlichte sie das breit besprochene Buch „Incels – Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults“ im Ventil Verlag. 2026 erschien mit „Bitch Hunt – Warum wir es lieben, Frauen zu hassen“ ihr zweites Buch.
















