DIE GESTAPO UND EUROPA – Dritte gemeinsame Veranstaltungsreihe zum “Hotel Silber”

WÄHREND DES UMBAUS des „Hotel Silber“ organisieren die Kooperationspartner Haus der Geschichte, Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. und Stadt Stuttgart von Oktober 2016 bis  März 2017 eine dritte, an unterschiedlichen Orten in Stuttgart stattfindende Veranstaltungsreihe.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.
Anmeldung erforderlich über besucherdienst@hdgbw.de
oder Tel: 0711-2123989

Den Flyer zum Programm als PDF finden Sie hier: VeranstaltungsreihezumHotelSilber2016_17

DIE STAATSPOLIZEILEITSTELLE STUTTGART im „Hotel Silber“ war Teil eines Netzes, das zunächst das Deutsche Reich, mit Beginn des Zweiten Weltkriegs auch das besetzte Europa umspannte. Ihr Personal kam nicht nur in ganz Europa zum Einsatz, sondern überwachte auch ins Deutsche Reich gebrachte Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. In mehreren Veranstaltungen werden die Expansion der Gestapo, die von ihre in Europa begangenen Verbrechen sowie der historischeund gegenwärtige Umgang mit diesen beleuchtet.

 Das Programm im Einzelnen:

VOM „HOTEL SILBER“ NACH EUROPA
Die Mitarbeiter der württembergischen Gestapo im „auswärtigen Einsatz“

27. Oktober 2016, 19:00 Uhr

 VON TRONDHEIM BIS ATHEN, von Toulouse bis Kiew: Über 180 Männer und Frauen der württembergischen Gestapo kamen ab 1938 in weiten Teilen Europas zum Einsatz. Dort waren sie Teil des exzessiven Repressionsapparats und an zahllosen Verbrechen beteiligt. Was waren die Ziele des „auswärtigen Einsatzes“? Wie sah er aus und was waren die Folgen? In einem Vortrag wird nicht nur ein Überblick über die Geschichte der Gestapo in Europa gegeben, sondern auch ein Blick auf die Biografien von Gestapo-Mitarbeitern geworfen, deren Karrieren vom „Hotel Silber“ ins besetzte Europa führten.

Vortrag von Prof. Dr. Klaus-Michael Mallmann (ehem. wissenschaftlicher Leiter der ForschungsstelleLudwigsburg der Universität Stuttgart).

Veranstaltungsort: Haus der Geschichte Baden-Württemberg,
Konrad-Adenauer-Str. 16, 70173 Stuttgart

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WOLFS JAGD – AUF DEN SPUREN GEFÜHLTER GERECHTIGKEIT

 1. Dezember 2016, 19 Uhr

 GESTAPOLEITSTELLE WIEN, „Hotel Metropol“: Der ehrgeizige Gestapobeamte Wolf Manhardt beißt sich die Zähne aus an der Widerstandskämpferin Lilly Winter, die im Sommer 1944 in „Schutzhaft“ genommen wurde. Noch setzt er ganz auf seine Kenntnisse und Erfahrungen als Kriminalist, seine viel geschätzte „Verhörkunst“. Wolfs Jagd nach einem Geständnis entwickelt sich jedoch bald zur Obsession und stürzt nicht nur ihn, sondern auch sein Opfer in ein Chaos widerstreitender Gefühle. Es entbrennt ein Kampf um Aufrichtigkeit und Überlegenheit, um die Anerkennung der gefühlten Gerechtigkeit und nicht zuletzt um das Herz des Gegenspielers.

Theaterinszenierung nach dem ersten Teil („Ankunft“) der Roman-Trilogie „Hotel Metropol“ von Fritz Lehner. Bühnenfassung von Philipp Falser. In Kooperation mit dem Schauspielensemble Kunstdruck e.V. erarbeitet.

Veranstaltungsort: Haus der Geschichte Baden-Württemberg,
Konrad-Adenauer-Str. 16, 70173 Stuttgart

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ERINNERUNGSKULTUR(EN) IN EUROPA -
ÄHNLICH UND DOCH VERSCHIEDEN?

 23. Januar 2017, 19 Uhr

AN DEN ZWEITEN WELTKRIEG und die von der Gestapo begangenen Verbrechen wird in Europa auf ganz unterschiedliche Art und Weise erinnert. Der „Erinnerungsraum Europa“ ist heterogen – und verändert sich stetig. Wo liegen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im öffentlichen Erinnern? Welche Rolle spielt die Medialisierung des Nationalsozialismus? Und kann in Zeiten, in denen in politischen Konflikten immer wieder NS-Vergleiche herangezogen werden, überhaupt von einer europäischen Erinnerungskultur gesprochen werden?

Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej (Universität Warschau),
Prof. Dr. Mechthild Gilzmer, 
(Universität des Saarlandes)
und Prof. Dr. Gerhard Paul 
(Universität Flensburg).

Es moderiert PD Dr. Ulrich Hägele (Universität Tübingen).

Veranstaltungsort: Haus der Geschichte Baden-Württemberg,
Konrad-Adenauer-Str. 16, 70173 Stuttgart

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ZWANGSARBEITER – VERSCHLEPPT – AUSGEBEUTET – ‚SONDERBEHANDELT‘

 Mit Zwangsarbeitern aus den besetzten europäischen Ländern wurde im Zweiten Weltkrieg die Kriegswirtschaft aufrechterhalten. Die Gestapo setzte zusammen mit den Betrieben die Arbeitsdisziplin und die rassenideologisch motivierte Absonderung von der einheimischen Bevölkerung durch.

 10. Februar 2017, 19 Uhr

Vortrag zur Rolle der Gestapo bei der Überwachung und Repression der Zwangsarbeiter in Württemberg mit einem Exkurs zum Mahnmal „Tag und Nacht“ bei der Daimler- Benz AG. Mit Sigrid Brüggemann und Roland Maier (Hrsg. des Buchs „Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern“) sowie Bettina Stadtmüller (Betriebsrätin IG Metall, forscht zur Zwangsarbeit bei der Daimler-Benz AG).

Veranstaltungsort: DGB-Haus, Willi-Bleicher-Str. 20, 70174 Stuttgart /
In Kooperation mit der IG Metall Stuttgart

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11. Februar 2017, 15 Uhr
Busrundfahrt zu Standorten der Zwangsarbeit bei der Daimler-Benz AG in Stuttgart.
Führung durch Bettina Stadtmüller.

Treffpunkt: „Hotel Silber“, Dorotheenstr. 10, 70173 Stuttgart
Dauer: 2-3 Stunden, Kosten: keine

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29. April 2017, 10 Uhr

Busfahrt ins Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen und Besuch der in einer originalen Zwangsarbeiterbaracke eingerichteten Ausstellung. Führung durch Rainer Linder (Haus der Geschichte Baden-Württemberg).

Treffpunkt: „Hotel Silber“, Dorotheenstr. 10, 70173 Stuttgart
Dauer: 4-5 Stunden, Kosten: nur Museumseintritt

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MEINE GESCHICHTE, DEINE GESCHICHTE, UNSERE GESCHICHTE

14. März 2017, 19.30 Uhr

DIE AUSEINANDERSETZUNG mit den Verbrechen des Nationalsozialismus prägt das deutsche kollektive Gedächtnis. Sie wandelte sich seit 1945 immer wieder. Derweil wurde Deutschland zum Einwanderungsland – heute hat rund die Hälfte der Stuttgarter Bevölkerung Wurzeln in anderen Ländern. Die Communities der Eingewanderten pflegen ihre eigenen identitätsstiftenden kollektiven Erzählungen, geprägt von den in ihren Heimatländern begangenen NS-Verbrechen, aber auch von länderspezifischen Traumata.
Wie werden die verschiedenen kollektiven Erzählungen persönlich erlebt?
Welche Bedeutung haben sie für das Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft?
Kann sich aus den unterschiedlichen Erfahrungen ein gemeinsames Verständnis von Menschenrechten und Demokratie entwickeln?

Interkultureller Dialog
mit Anna Ioannidou (Rechtsanwältin),
Odile Néri-Kaiser (Erzählerin),
Gari Pavkovic (Integrationsbeauftragter der Landeshauptstadt Stuttgart),
Anna Picardi,(Lehrerin) und Harald Stingele (Erwachsenenbildner).

Veranstaltungsort: Theater tri-bühne,
Eberhardstr. 61a, 70173 Stuttgart