Grußwort von Judith Vowinkel

Grußwort von Judith Vowinkel
Stadträtin der SPD-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat
am Aktionstag „Demokratie braucht Erinnerung“, 13. September 2014

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, als die Abrissarbeiten für das Da Vinci Projekt beendet waren. Es war ein ungewohnt freier Blick. Ich stehe auf dem Platz vor der Markthalle und schaue hinüber zur Leonhartskirche. Irgendwann links in der Ecke entdecke ich in der Gesamtdimension ein kleines Gebäude, das dem Abriss getrotzt hat und noch immer steht.

Mir wurde es beim Anblick richtig warm ums Herz und ein Gefühl des Stolzes überkam mich.

„Wir zusammen, wir hier alle zusammen, haben Hotel Silber gerettet.“

Es steht noch. Eigentlich ist das doch gigantisch, oder??.

Ich habe als Stadträtin der SPD in Stuttgart und als Mitglied der Initiative „Hotel Silber“ gern ein Grußwort für diesen Tag übernommen, weil es zur Zeit wichtiger, denn je ist „Flagge“ zu zeigen. Auch fühlen wir SozialdemokratInnen uns auch in der Auseinandersetzung mit unserer eigenen Parteiengeschichte mit dem Thema verbunden.

Heute Morgen war der Gedenkgottesdienst, um  an die Zerstörung der Stadt vor 70 Jahre zu erinnern. Hier wurde mir nochmals besonders bewusst, wie wichtig das Gedenken für uns alle in die Vergangenheit und für die Zukunft ist.

Viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, wie viele andere auch, wurden im 3.Reich verfolgt und ermordet. Im Hotel Silber war auch Kurt Schumacher inhaftiert.

Das Hotel Silber ist ein authentischer Ort, dem man abnimmt, welch Gräultaten im Nationalsozialismus vorgefallen sind. Nach dem Besuch unserer Fraktion im ELDE Haus in Köln, war mir klar, dass allein das Haus Gefühle wach gerufen, die kaum so leicht angerührt werden können, wenn man in einem Museum oder in den Geschichtsbüchern erfährt wieviel Personen Opfer des Holocaust wurden.

Wir haben Hotel Silber erhalten können!

Ein wenig Glück gehörte auch dazu, als nach der Landtagswahl deutlich wurde, dass in einer Kooperation von Stadt und Land Ba-Wü das Hotel Silber erhalten bleiben kann. Das Durchhaltevermögen der Initiative und der politische Wille haben gestimmt. Wir Sozialdemokraten dürfen hier in Anspruch nehmen zusammen mit den SÖS/Linke politisch die treibende Kraft gewesen zu sein.

Jetzt muss Hotel Silber geplant, vorbereitet und mit Leben gefüllt werden

Dabei entstehen die vielfältigsten Probleme

Welche Beteiligungsform wird gefunden? Wer übernimmt was? Wie sieht das Konzept aus? Die Idee, das Hotel Silber ein Lern-und Gedenkort werden soll, macht das Reizvolle aus.

Kindern-und Jugendliche erfahrbar zu machen, wie schnell es geht faschistischem oder nun auch fundamentalistichen Gedankengut nachzuhängen.

Leider konnten wir in den letzten Haushaltsberatungen keine Mehrheit die Nutzung des 2. Stock finden,  um genügend  Raum zu haben, zum „Erfahren“!

Doch die halbe Stelle beim SJR konnte wenigstens zum Aufbau dieser pädagogischen Arbeit gesichert werden.

Es ist schon seltsam, dass wir immer wieder Anträge schreiben müssen, um alle Beteiligten an den Beteiligungsprozess zu erinnern und aufzupassen, dass niemand Alleingänge unternimmt. Es scheint besonders der Verwaltung in den Ämtern und Ministerien nicht leicht zu fallen, zu verstehen, dass ein Konzept „Hotel Silber“ nicht aufgedrückt werden kann, sondern eine besondere Mitsprache und Beteiligungsform darstellt, auf die alle Rücksicht nehmen und Kompromisse finden müssen.

Das ist und wird ein langer, etwas längerer Prozess!

Wir werden nicht akzeptieren, dass das Hotel Silber nur eine Art Außenstelle des Haus der Geschichte wird. Die Idee ist eine andere. Ohne den pädagogischen  und bildungspolitischen Aspekt bleibt nur der Gedenk- nicht aber der Lernort gegen das „Vergessen“ .

Eigenmächtigkeiten und Vereinnahmungen egal von welcher Seite sollten nicht stattfinden. Man kann eine Idee nur gemeinsam entwickeln, um sie auch gemeinsam tragen zu können. Hier ist größere Transparenz und regelmäßige zeitnahe Treffen notwendig. Hier würden wir gern die Unterstützung anderer Fraktionen, besonders der Grünen einfordern, mitzuhelfen, sich für das Anliegen der Initiative Hotel Silber einzusetzen.

Die Stadt hat eine Verantwortung und muss diese auch mitttragen.

Ich möchte, wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Stuttgart wollen, dass „Hotel Silber“ ein gemeinsames Projekt in Kooperation mit allen Beteiligten wird.

Es wäre eine Chance und ein wichtiger Schritt in die Zukunft.

Nutzen wir diese gemeinsam!

Danke fürs  Zuhören.