Die Stuttgarter Malerin Käthe Loewenthal (1978 – 1942) und ihre Schwestern

Veranstaltung zum Gedenken an die erste Deportation der Stuttgarter und Württemberger  Juden am 1. Dezember 1941
Vortrag von Prof. Dr. Wolf Ritscher

Dienstag, 1. Dezember 2015, 19:00 Uhr
im Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstrasse 33

„Für sie alle sollen diese Bilder ein Denkmal sein“ (Dr. Ingeborg Leuchs, die Nichte von Käthe Loewenthal in ihrer Eröffnungsrede zu einer Ausstellung mit Bildern von Käthe Loewenthal im Oktober 1993 im „Verborgenen Museum“ Berin)

Das Schicksal der Familie Loewenthal und insbesondere das der fünf Schwestern Loewenthal (Käthe 1878 – 1942, Gertrud 1880 – 1898, Agnes 1882 – 1933, Hedwig 1883 – 1941?, Susanne 1886 – 1975) ist Teil des Schicksals der deutschen Juden. Clara  (1854 – 1928) und Wolf Wilhelm (1850 – 1884) Loewenthal gehörten zu dem Teil  der deutschen Juden, die sich kulturell der Geschichte und der Tradition des jüdischen Volkes verbunden fühlten, aber ihre religiösen Bindungen an das Judentum aufgegeben hatten, wahrscheinlich um gleichzeitig politisch, sozial und hinsichtlich der Bildungsideale des deutschen Bürgertums auch kulturell ein Teil der Mehrheitsgesellschaft werden zu können. Die Nationalsozialisten und mit ihnen die ihnen folgende Mehrheit der Deutschen haben diesen Traum nachhaltig zerstört. In dem Vortrag von Prof. Dr. Wolf Ritscher, dem Enkel von Susanne Ritscher, der jüngsten der fünf Schwestern wird an diesem Abend vor allem über die drei Künstlerinnen unter den Schwestern berichten: Käthe, die seit 1912 in Stuttgart als dort durchaus bekannte Malerin lebte und im April 1942 nach Izbica im besetzten Polen deportiert wurde; Agnes, die Fotografin, die sich in Griechenland 1933 selbst tötete; und Susanne, die einzige Überlebende, die als Malerin nicht die Beachtung fand, die ihr eigentlich gebührte. Aber  auch der beiden anderen Schwestern sollte gedacht werden: Hedwig, die wahrscheinlich in einem Konzentrationslager in Riga ermordet wurde und Gertrud, die sich 1898 das Leben nahm – warum bleibt Spekulation.  Der Referent wird die Familiengeschichte mit der Zeit- und der Kunstgeschichte verbinden und zugleich mit Hilfe von Fotos Werke der drei Künstlerinnen  vorstellen.