17. Mai, Matinée: „Die Kinder von Auschwitz singen so laut!“

- Das erschütterte Leben der Sintiza Martha Guttenberger aus Ummenwinkel

Lesung und Gespräch mit Magdalena Guttenberger und Manuel Werner

Matinée Sonntag, 17.5.2020,
11:00 Uhr,
Hotel Silber, Foyer

Im Anschluss an die Lesung findet ein moderiertes Gespräch mit den beiden AutorInnen und dem Publikum statt.

Veranstalter: Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Gedenkinitiative Mahnmal Ravensburg und Landesverbandes Baden-Württemberg im Verband Deutscher Sinti und Roma.

Magdalena Guttenberger hat über viele Jahre die Erzählungen ihrer Schwiegermutter Martha Guttenberger über ihre Verfolgungserfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus aufgezeichnet. Magdalena und ihr Mann Julius, der Sohn von Martha, lebten seit den 70er Jahren im Ravensburger Ummenwinkel zusammen, wo Martha ab 1945 nach ihrer Befreiung von einem Todesmarsch ihr weiteres Leben verbrachte – jahrzehntelang in zwei Räumen einer Baracke des vormaligen städtischen NS-Zwangslagers. Die Befreiung durch die Alliierten bedeutete aber kein Ende der Diskriminierung für Sinti und Roma durch die Mehrheitsgesellschaft. Der ständige Kontakt ermöglichte es, dass Martha ihrer Schwiegertochter in vielen Situationen des alltäglichen Lebens Facetten ihrer Biographie erzählte. Martha Guttenberger wollte, dass das ihr Widerfahrene nach ihrem Tod bekannt wird. Magdalena entschied sich zusammen mit Manuel Werner und mit der Zustimmung ihres Mannes,  die Erzählungen und Berichte schriftlich als Mahnung und Erinnerung für ihre Familie und die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Sinti und Roma festzuhalten. So entstand die Idee, ein Buch zu gestalten, das die Möglichkeit bot, neben Marthas Erinnerungen, auch Notizen der Gespräche zwischen ihr und Magdalena, Familiendokumente, Fotos, weitere Erinnerungen und vielfältige historische Informationen zusammenzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Manuel Werner hielt hierzu weitere Gespräche fest, recherchierte zu verschiedenen Bereichen und erstellte so ein Manuskript, das viele Aspekte enthält. So entstand ein exemplarisches Panorama des Lebens von Martha mit quellenbasierten Erläuterung des politischen, sozialen, historischen und familiären Kontextes.
Auch der Ravensburger Ummenwinkel kommt in diesem Buch zur Sprache, als der soziale Raum, in  dem Martha, Magdalena, Julius und die Enkelkinder mit anderen Familien zusammen gelebt haben und sich mit den Schatten der Vergangenheit auseinandersetzen mussten. Zeitlebens ließ der Ort „Auschwitz“ als Fanal ihrer Verfolgung und der Ermordung des nationalsozialistischen Genozids an den Sinti und Roma sie nicht mehr los.