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Veranstaltungstipp 28.5.: Kickers-Fanprojekt und Johann-Friedrich-von Cotta-Schule

Das Kickers Fanprojekt  und die Johann-Friedrich-von-Cotta-
Schule  pflanzen am 28. Mai um 11 Uhr auf dem Schulgelände
einen Baum zu Ehren von Julius Baumann, dem ehemaligen Schiedsrichter der Stuttgarter
Kickers, der wegen seines jüdischen Glaubens 1933 aus dem Verein ausgeschlossen und 1942
im Konzentrationslager Mauthausen ermordet wurde.
Mit dieser Baumpflanzung eröffnet die Cotta-Schule einen „Garten der Gerechten“, der nach dem
Vorbild und unter Einbeziehung der italienischen Nonprofit-Organisation GARIWO
(www.gariwo.net) angelegt wird. Im Jahr 2003 hat GARIWO den ersten Garten der Gerechten auf
dem Monte Stella in Mailand geschaffen, seither sind weltweit viele Städte diesem Beispiel
gefolgt. Die Gärten der Gerechten ehren Persönlichkeiten, die sich selbstlos und unter Einsatz
ihres Lebens eingesetzt haben, um ihre Mitmenschen vor politischer Verfolgung oder Ermordung
zu retten.
Der Garten der Gerechten in der Cotta-Schule ist der erste seiner Art in Stuttgart. Julius Baumann
wurde ausgewählt, weil sich sowohl das Kickers Fanprojekt, als auch die Cotta-Schule in zunächst
voneinander unabhängigen Projekten mit seiner Person beschäftigt haben und von seinem
Schicksal, vor allem aber seiner menschlichen Größe beeindruckt und bewegt waren.
Während das Kickers Fanprojekt in seiner historischen Recherche „Heimat Kickers – Die Blauen in
bewegten Zeiten“ (https://kickers-fanprojekt.de/projekte/heimat-kickers/) 50 Jahre
Vereinsgeschichte der Stuttgarter Kickers von deren Gründung 1899 bis 1949, dem Gründungsjahr
der Bundesrepublik Deutschland, durchleuchtet hat, hat sich die Cotta-Schule in ihrem Projekt
generell mit dem Fußball in der Zeit des Nationalsozialismus auseinander gesetzt, mit einem
besonderen Fokus auf Stuttgart. Denn die Cotta-Schule ist eine sogenannte „Eliteschule des
Sports und des Fußballs“ und hat Jugendspieler der „Blauen“ und der „Roten“ in ihren Klassen.Julius Baumann war als Schiedsrichter für die Stuttgarter Kickers aktiv, die in den 20er- und 30er-
Jahren zu den erfolgreichsten Fußballvereinen in Süddeutschland zählten. Schon sehr bald nach
Verabschiedung der „Stuttgarter Erklärung“ vom 9. April 1933, die den Ausschluss jüdischer und
marxistischer Mitglieder aus den süddeutschen Fußballvereinen einforderte, musste Julius
Baumann den Verein verlassen. Die Stuttgarter Erklärung wurde auf einem von den Stuttgarter
Kickers organisierten Verbandstag beschlossen, an dem 14 der damaligen süddeutschen
Spitzenvereine teilnahmen.
Julius Baumann war danach noch mehrere Jahre für den jüdischen Verein Hakoah Stuttgart aktiv
und setzte sich darüber hinaus für bedürftige Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Stuttgart ein.
1939 hätte er mit einem der seltenen Einreisevisa nach England fliehen können, blieb aber in
Stuttgart, um sich weiter um die Gemeindemitglieder zu kümmern. Besonders lagen ihm die
Kinder am Herzen, für die er Ferienlager, Sport- und Kulturangebote organisierte. Als sich die Lage
der jüdischen Bürger in den 40er-Jahren zusehends verschlimmerte, beschaffte er heimlich
Lebensmittel für die besonders Bedürftigen. Er wurde denunziert, zunächst nach Welzheim und
dann in das Konzentrationslager Mauthausen verschleppt. Dort wurde er kurze Zeit nach seiner
Ankunft ermordet, die offizielle Mitteilung am 1. Oktober 1942 lautete „Auf der Flucht
erschossen“.
Das italienische Generalkonsulat hat die Idee zur Eröffnung eines „Garten der Gerechten“ an der
Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule von Beginn an unterstützt und begleitet. Generalkonsul
Massimo Darchini wird bei der Zeremonie anwesend sein.
Auch die Stuttgarter Kickers standen der Idee einer Baumpflanzung zu Ehren von Julius Baumann
sofort sehr positiv gegenüber und werden am 28. Mai durch Prof. Dr. Rainer Lorz und Dr. Niko
Kleinmann als Mitglieder des Präsidiums vertreten sein.
Als Ehrengast wird Pip McCosh aus Neuseeland bei der Baumpflanzung dabei sein. Sie ist die
Großnichte von Julius Baumann und wird zu dieser Zeit auf Einladung der Stuttgarter Stolperstein-
Initiativen zusammen mit ihrem Mann Andrew in Stuttgart zu Besuch sein.
Im Rahmen eines Theaterprojekts unter der Leitung des Theaterpädagogen Manoel Tavares
befassen sich die Schüler*innen dreier Klassen der Cotta-Schule mit dem Lebensweg von Julius
Baumann. Neben der historischen Perspektive, setzen sich die Schüler*innen auch mit aktuellen
Formen von Ausgrenzung und Abwertung auseinander. Baumanns Lebensweg ist dabei die
Grundlage für ein selbstentwickeltes Theaterstück, aus dem eine szenische Darstellung im
Rahmen der Gedenkveranstaltung aufgeführt wird. Im Anschluss an die ca. 1-stündige Zeremonie
wird sich Pip McCosh mit dem am Theaterprojekt beteiligten Schüler*innen der Cotta-Schule
austauschen.

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