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24.Juni 2023 „Du hast mich nicht vergessen hoffe ich…“


– Die Melodien aus dem Lager Gurs (1939 – 1945)
Eine Erinnerung in Texten und Musik

Mit Mélina Burlaud (Klavier), Lena Spohn (Mezzosopran) und Christian Wagner (Bariton)



In Gurs, dem größten Internierungslager Südfrankreichs, waren zwischen 1939 und 1944 auch zahlreiche berühmte Künstler und Künstlerinnen interniert. Sie versuchten trotz der erbärmlichen Lebensumstände, das Leid und die Angst durch ihre Kunst zu überwinden und damit ihre menschliche Würde zu bewahren. Namhafte Musiker und Musikerinnen gaben dort im Lager erstklassige Konzerte, veranstalteten Kabarettabende, um ihren Mitgefangenen, darunter auch die ersten im Oktober 1940 aus Baden, der Pfalz und dem Saarland dorthin deportierten Juden, einen Moment des Glücks zu schenken und gemeinsam eine Oase der Hoffnung zu schaffen.

Mehrere Jahre hat die deutsch-französische Musikerin Mélina Burlaud auf den Spuren der in Gurs internierten Musiker geforscht und deren Texte und Musik aus der Lagerzeit gesammelt. Gemeinsam mit der Mezzosopranistin Lena Spohn und dem Bariton Christian Wagner bringt sie ein eindringlich berührendes Gesprächskonzert auf die Bühne. Durch musikalische Darbietungen der im Lager komponierten Werke und auch durch die Beschreibung der Lagerwirklichkeit mit ausgewählten Texten wird das Schicksal der Inhaftierten verdeutlicht. Es huldigt der Kraft der Kunst als Flucht in die innere Freiheit. Ein Abend, der uns wieder einmal zeigt, wie wesentlich die Rolle der Kunst zu allen Zeiten als Widerstandskraft und Lebenshilfe war und ist.

Veranstalterin: Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber

Diese drei Musiker sind schon seit mehreren Jahren gemeinsam im Rahmen des Gurs-Projektes auf der Bühne. Sie sind im Bloch-Zentrum Ludwigshafen im Rahmen der Ausstellung « Gurs 1940 » aufgetreten , in Tübingen in Zusammenarbeit mit einem pägogischen Projekt im Rahmen einer deutsch-französischen Schülerbegegnung « Gegen Vergessen für Demokratie », im Beethoven Haus Bonn, sowie in der freiburger Synagoge und  im NS-Dokumentationszentrum München. Sie arbeiten zur Zeit an einer CD-Aufnahme , der in Gurs komponierten Werke.

LENA SPOHN studiert Schulmusik, sowie Philosophie und setzt ihre Ausbildung im Fach Gesang in Stuttgart (Ulrike Sonntag), Leipzig (Carola Guber) und am CNSMD Paris (Malcolm Walker) fort. Sie schließt mit Auszeichnung ab und ergänzt ihr Studium durch die Arbeit mit u.a. Hartmut Höll, Rita Dams, Anna Bonitatibus, Margreet Honig und Angelika Kirchschlager. Sie ist Stipendiatin von Yehudi Menuhin – Live music Now, der Fondation Royaumont, dem Land Baden Württemberg und erhält das Deutschlandstipendium. 2018 ist sie Finalistin des Bundeswettbewerb Gesang in Berlin, 2019 Semifinalistin des Haydn-Wettbewerbs in Rohrau und Preisträgerin des internationalen Gesangswettbewerbs der Kammeroper Schloss Rheinsberg 2020. Als Solistin ist sie u.a. mit dem Freiburger- und Leipziger Oratorienchor, Kurrende Tübingen, dem Figuralchor Stuttgart, sowie mit „Les talents lyriques“ unter Christophe Rousset beim „Festival de Royaumont“ zu hören. 2021 wird Sie eine Serie Neujahrskonzerte mit dem Göttinger Symphonieorchester mitgestalten.

Im Opernfach tritt sie in verschiedenen Rollen u.a. beim Europäischen Kirchenmusikfestival in Schwäbisch-Gmünd, dem Wilhelmatheater Stuttgart (Eduige), in der Kammeroper Konstanz (Phèdre), dem Theater Rudolstadt (Enrico), den Staufer Festspielen (Hänsel), den Ettlinger Schloßfestspielen (2. Dame), in der Titelpartie von Händels Giulio Cesare an den Theatern Dessau, Nordhausen, sowie in der Gastspielproduktion des Ensembles „Cosi facciamo“ unter der Regie von Martina Veh u.a. am Cuvillés- Theater München auf. Als Rinaldo (G.F. Händel/ Rinaldo) ist sie mit der Lautten Compagney unter Wolfram Katschner am Theater Wolfsburg  und ist als Cenerentola in Aschenputtel am Theater Koblenz, als 2. Dame/ Zauberflöte am Theater Flensburg und als Dryade /Ariadne auf Naxos am Theater Plauen/Zwickau zu Gast.

Mélina BURLAUD, Deutsch-Französin, hat als Pianistin eine Spezialausbildung in Vokalbegleitung im Bereich des Liedes und der Melodie. Mit dem Musikstudium hat sie am Konservatorium ihrer Heimatstadt Pau begonnen. Danach studierte sie am Konservatorium in Toulouse, wo sie die ersten Preise in Klavier, Kammermusik und Orgel erhielt.

Sie bekam 2001 ein Stipendium des DAAD und setzte ihr Musikstudium an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” in Klavier, Kammermusik und Liedbegleitung fort. Mélina Burlaud war Stipendiatin des französischen Auswärtigen Amtes und der Studienstiftung des deutchen Volkes.  Nachdem  sie  ihr Diplom als Pianistin und Pädagogin erhalten hatte, studierte sie an der Universität Wien im Postgradualen Lehrgang für Vokalbegleitung. Sie studierte noch 5 Jahre in Paris bei der berühmten Pianistin Brigitte Engerer.

 Sie unterichtete  von 2005 bis 2021 am Konservatorium  Pau und  ist seit September 2021 Professorin für Klavier am Konservatorium in Toulouse.

Sie gab zahlreiche Konzerte in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien und China, als Pianistin und Organistin, als Solistin und in Kammermusik. Sie spielte als Solistin mit mehreren Orchestern  aus ihrer Region ( OSSO, OPPB) und nahm an berühmten Festivals Teil ( Musique en côte basque, Musique en Artois, Originaltöne Berlin…) . Sie ist mit berümten Musikern aufgetreten, wie Angelika Kirchschlager, Antoine Tamestit, Clara Cernat…

Mit dem Projekt Kunst in Gurs nahm sie an der Eröffnung der Ausstellung “Gurs 1940 “ bei der französischen Botschaft in Paris teil. Seit September 2021 promoviert sie über das Thema “ Musik in Gurs “ an den Universitäten Pau und Oldenburg.

Christian WAGNER, Bariton

Christian Wagner studierte Violoncello, Schulmusik und Gesang in Mainz, Potsdam und Paris. Zusätzliche Impulse bekam er in Meisterkursen, Coachings und Unterricht bei u.a. Thomas Quasthoff und Charlotte Lehmann, Cheryl Studer, Rudolf Piernay und Andreas Scholl, und arbeitet aktuell mit Bejun Mehta und Helmut Deutsch in Berlin und Wien.

Er konzertiert an Orten wie Konzerthaus, Philharmonie und Berliner Dom, Concertgebouw Amsterdam, Maison Symphonique Montreal,  Tokyo Concert Hall, Oper Kairo und Bibliothek von Alexandria, und der Residenz des dt. Botschafters in Paris.

Der Stipendiat des Deutschen Musikrats und der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth ist Teilnehmer, Finalist und Gewinner von Wettbewerben wie dem ARD-Gesangswettbewerb, der Wigmore Hall Song Competition, und dem Helmut Deutsch Liedwettbewerb.

Er arbeitet mit Dirigenten wie Ton Koopman, Masaaki Suzuki und Andrea Marcon, und ist auf CD-Produktionen (u.a. bei Naxos, Accent, Rondeau) von Barockmusik Bachs und Händels bis zu Mozarts Basspartien (u.a. Requiem) und der Carmina Burana vertreten.

Als Liedsänger arbeitet er mit Pianisten wie Eric Schneider, Jonathan Ware und Schaghajegh Nosrati. Im letzten Jahr war er Gast in der Bibliothek von Alexandria, und wird 2022 wieder u.a. im Concertgebouw Amsterdam und im Berliner Rundfunkhaus zu hören sein. Im kommenden Januar ist er dann als Marcello in einer konzertanten Aufführung von Puccinis La Bohème in der Maison Symphonique Montreal zu erleben.

Bild: L’Absence“ von Sigismund Kolos-Vari.